MACS TRIUMPH DES TODES

Eine Bild-Maschinen-Klanginstallation von Ulrich Rützel

Bild Thomas Jessen
(2,00 m x 2,90 m, Öl auf Leinwand/2011)

Ausstellung vom 17.10.2011 bis 11.11.2011 in der
Fachhochschule Südwestfalen
Lindenstrasse 53
59872 Meschede

Jetzt b.a.w. zu sehen und zu hören im
Maschinen- und Heimatmuseum Eslohe
Museumsverein Eslohe e.V.
Homertstraße 27
D-59889 Eslohe
Telefon +49 (0)2973/2455 und +49 (0)2973/800-220
www.museum-eslohe.de

Ein schrottreifer Maschinenpark verkündet Vergänglichkeit, kommt philosophisch daher. Gefühlvoll. Drei ausrangierte MacIntosh Computer beziehen sich mit ihren Schriftbildern auf das berühmte Fresko „Triumph des Todes-Öffnung des Grabes“
(ca. 1355 Trionfo della Morte) von Buonamico Buffalmacco und dem in Stein gemeisselten Satz:

„Was Ihr seid, das waren wir;
was wir sind,
werdet Ihr sein.“

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Macs Triumph Des Todes

Es zeigt vier Könige bzw. Ritter, die sich vor den offenen Gräbern dreier verstorbener Vorgänger finden, die in jeweils verschiedenen Verwesungsstadien dargestellt werden: als Muskelmann, als teilweise verwester Kadaver und als Skelett. (Dieser Teil des Freskos ist stark beschädigt.) Diese drei rufen ihren noch lebenden Nachfolgern eben diese Worte zu:

„Was Ihr seid, das waren wir;
Was wir sind,
werdet Ihr sein.“

Der Florentiner Buonamico Buffalmacco schuf in der zweiten Hälfte des 14. Jhds. den berühmten Freskenzyklus, der Episoden vom „Triumph des Todes“, aus dem „Jüngsten Gericht“ und dem „Leben der Heiligen Eremiten“ darstellt. Das Grossgemälde „Triumph des Todes“ gilt als die düsterste Darstellung für den unerbittlichen Zorn Gottes. Das komplette Fresko ist zu sehen auf dem Camposanto Monumentale in Pisa/Italien.

Der Esloher Maler Thomas Jessen, ein Meister grossräumiger Szenen und geschichtsbezogener Zitate, hat diesen Ausschnitt des Freskos zitierend und improvisierend für diese Installation nachempfunden und sich reale Menschen unserer Zeit hineingedacht.

Mann und Frau, die sowohl mit diesen Maschinen als auch privat seit vielen Jahrzehnten eng miteinander verbunden sind und den Weg der Vergänglichkeit gehen müssen. Wie die Maschinen.

„Sprache, die ich sehe, Leben, das ich höre.“

Dazu hört man Musikfragmente, Sprachfetzen, Klänge aus dem Regenwald, Tiergeräusche, ja von Fischen gar. Man vermeint, die Sprache zu sehen, das Leben zu hören. Akustische Kunst halt. Mit ihr nimmt der Hörer die charakteristischen Eigenschaften der Umwelt anders und neu wahr.

Aber brauchen wir diese alten stromschluckenden Maschinen, um uns den Kreislauf des Lebens vor Augen zu halten? (Keine Abwrackprämie!) Ja.
Die einzelnen Komponenten Bild, Computer, Schrift, Schrott, Musik, akustische Kunst und der Raum werden die Gesamtheit der Sinne für das Thema Leben und Vergänglichkeit schärfen.

Natürlich, wer heute twittert, wird ein müdes Lächeln für diese unverlinkbaren Rechner haben. In den 80ern gehören sie zur Avantgarde. Da sind sie das künstlerische Werkzeug von Musikern, Dichtern, Künstlern und Wissenschaftlern. Es sind die Pioniere des beginnenden Informationszeitalters. Verharren wir also einfach mal. Sehen wir die Komplexität der Dinge. Die Reise geht weiter.

MacBuffalmacco I, II und III

“Wir sind drei alte, ausgediente MacIntosh Computer von Apple.
Einst gehörten wir zur Elite, zur Avantgarde. Unsere Nutzer waren Musiker, Wissenschaftler, Künstler, Journalisten, halt Menschen mit dem Feinsinn fürs Leben.

Jetzt sind wir für den Müll bestimmt.

Aber wir bekommen eine letzte Rolle als „MacBuffalmacco I, II und III“ in der Inszenierung „Macs Triumph des Todes“.

Seht genau hin, hört genau zu…“

Epilog

„Macs Triumph des Todes“ erhält durch den Tod Steve Jobs am 5.10.2011 eine traurige Aktualität und Sinnhaftigkeit. Nach der ersten Krebsdiagnose im Jahre 2004 erwartete er für einen Tag lang den Tod. Seine Konsequenz: „Eure Zeit ist begrenzt, lebt nicht das Leben eines anderen…“

„Sich daran zu erinnern, dass man sterben wird, ist die beste Art, um die Falle zu vermeiden, dass man glaubt, man habe etwas zu verlieren.“
„…Bleibt hungrig, bleibt verrückt“!

Exakt am Donnerstag den 5.10.2011 hat Thomas Jessen das Gemälde fertiggestellt.
Oktober 2011, Ulrich Rützel
(Eslohe-Wenholthausen)

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(Textausschnitte)
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